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Kitzbüheler Anzeiger
Das Damische Aderl zieht im Maurachhof ein

Sir Hasenstein von Stefan Rinck blickt zum Kitzbüheler Schloss und begrüßt die Besucher bei der Sommerausstellung.

"Damische Aderl" zieht im Maurachhof ein

Mit jeder Sommerausstellung erfindet sich der Maurachhof ein Stück weit neu. Nach „Land(wirt)schaft oder it goes not on a cow hide“ und „Das Hühnerkarussell“ lädt der Verein Kunstbühel+ heuer zu „Das Damische Aderl feat. Michèle Pagel, Stefan Rinck und Markus Orsini-Rosenberg“. Bereits der Titel verrät den feinen Humor der Ausstellungsmacher. Das im Dialekt bekannte „damische Aderl“ beschreibt einen Menschen mit einer besonderen, manchmal etwas verschrobenen, aber stets kreativen Ader und schlägt zugleich die Brücke zum vor zehn Jahren verstorbenen Künstler und Professor Gunter Damisch.

Die mittlerweile dritte Sommerausstellung rückt nicht nur die Kunstwerke, sondern auch den Ort selbst stärker denn je in den Mittelpunkt. Die ehemalige Squashhalle mit ihren Räumen auf drei Ebenen wird selbst zum Teil der Inszenierung. Jeder Bereich besitzt eine eigene Atmosphäre und setzt unterschiedliche künstlerische Schwerpunkte. So entstehen abwechslungsreiche Raumeindrücke, die Architektur und Kunst auf besondere Weise miteinander verbinden.

Internationale Kunst trifft Kitzbühel

Bereits der Auftakt beeindruckt. Besucher werden von Skulpturen aus Stefan Rincks „Alpen Clan“ empfangen, die eigens aus der Pinakothek der Moderne in München nach Kitzbühel gebracht wurden. Der international renommierte Künstler, dessen Arbeiten bereits in Städten wie in Paris und Brüssel zu sehen waren, stellt damit erstmals in Österreich aus. Allein der Transport war eine logistische Meisterleistung. Bis zu 550 Kilogramm schwere Skulpturen aus unterschiedlichen Natursteinen fanden ihren Weg in den Maurachhof. Die humorvollen Figuren begeistern nicht nur Kunstkenner. Manche erinnern an Charaktere aus Star Wars oder anderen Fantasywelten und ziehen dadurch auch junge Besucher unmittelbar in ihren Bann.

Sportgeschichte und Kunst verschmelzen

Im Zentrum der ehemaligen Squashhalle verdichten sich Werke von Gunter Damisch mit Arbeiten ehemaliger Studierender seiner Klasse an der Akademie der bildenden Künste Wien zu einer vielschichtigen Raumcollage. Sichtbar geblieben sind die Linien des ehemaligen Squashfeldes an den Wänden. Eine eigens errichtete Tribüne greift die Geschichte des Gebäudes auf und verbindet Sport und Kunst auf ungewöhnliche Weise. Gerade in Kitzbühel, wo der Sport seit jeher das Ortsbild prägt, entsteht so ein spannender Dialog zwischen Bewegung, Wettkampf und kreativem Schaffen. Im Mittelpunkt stehen Gunter Damischs Skulptur und Gemälde gemeinsam mit Stefan Rincks monumentalem „Thron“.

Obwohl der Professor räumlich in der Mitte positioniert ist, entsteht bewusst keine Hierarchie. Vielmehr zeigt die Ausstellung Damisch als Wegbereiter und Ermöglicher. Der einst jüngste Professor der Akademie verstand sich nie als Ideologe, sondern förderte seine Studierenden in ihrer individuellen künstlerischen Entwicklung. Dazu zählt auch der Kitzbüheler Künstler Matthias Bernhard, der als prägende Kraft von Kunstbühel+ selbst bei Damisch studierte. Ausgangspunkt der Ausstellung ist dessen zehnter Todestag.

Seine Haltung des „Sowohl als auch“ wird dabei nicht als nostalgischer Rückblick verstanden, sondern als Einladung, künstlerische Praxis heute neu zu denken. Neben Arbeiten ehemaliger Studierender sind auch Werke jener Künstler zu sehen, die später Damischs Professur übernahmen. Auffallend ist dabei, dass grafische Ausdrucksformen in vielen Positionen dominieren, ohne dass eine stilistische Vorgabe erkennbar wäre. Gerade diese Offenheit prägte Damischs Verständnis von Lehre.

Das Damische Aderl zieht im Maurachhof ein

Wolfgang Capellari, Anton Bodner, Maximillian Bernhard, Beate Obermoser, Fritz Eller, Viktoria Veider-Walser, Hans Peter Bachler (Raika), Bgm. Klaus Winkler sowie Matthias Bernhard am „Thron“ von Bildhauer Stefan Rinck.

Jeder Raum eröffnet neue Perspektiven

Auch die ehemaligen Umkleiden und Duschen wurden vollständig neu gedacht. Der bekannte Misthaufen im Regal, der in früheren Ausstellungen den Raum prägte, tritt diesmal bewusst in den Hintergrund. Stattdessen dominiert das großformatige Gemälde des Kärntner Künstlers Markus Orsini Rosenberg. Gemeinsam mit weiteren Werken des langjährigen Freundes von Wolfgang Capellari entsteht ein ruhiger, beinahe meditativer Raum, der den Blick auf Natur, Landschaft und Malerei lenkt.

Das Damische Aderl zieht im Maurachhof ein

Michèle Pagels Lederhose im Dachgeschoss vor passender Kulisse.

Unter dem Dach überrascht schließlich die in Wien lebende deutsche Künstlerin Michèle Pagel mit ihren beiden „White Trash Bag“ Skulpturen. Die Werke erinnern an Dirndlmieder und Lederhose und treten gemeinsam mit einer eigens entwickelten Wandgestaltung von Matthias und Maximilian Bernhard sowie Wolfgang Capellari in einen spannenden Dialog. Durch die Fenster öffnet sich gleichzeitig der Blick auf den Wilden Kaiser und die vorbeifahrende Hahnenkammbahn. Innen und Außen verschmelzen zu einer Kulisse, die kaum passender für diesen Ort sein könnte.

Ein fester Bestandteil ist auch das bereits im vergangenen Jahr eingerichtete Kino. Dort wird ein Film der argentinischen Künstlerin Luz Olivares Capelle gezeigt, die ebenfalls Schülerin von Gunter Damisch war. In einfühlsamen Bildern begleitet sie die Sprachentwicklung ihrer kleinen Tochter und setzt damit einen stillen, sehr persönlichen Akzent innerhalb der Ausstellung.

Mit „Das Damische Aderl“ beweist Kunstbühel+ einmal mehr, wie spannend sich internationale Gegenwartskunst mit regionalem Bezug verbinden lässt. Die Ausstellung zählt zu den kulturellen Höhepunkten des Kitzbüheler Sommers und ist noch bis 20. September jeweils Freitag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr im Maurachhof zu sehen. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Kunstliebhaber, sondern für alle, die den außergewöhnlichen Ausstellungsort neu entdecken möchten.

Begleitet wird die Ausstellung von einem abwechslungsreichen Kulturprogramm. Auf dem Programm stehen die literarisch musikalische Performance „Sonnenfinsternis“ am 8. August, ein Konzert von Free Music St. Johann am 29. August, die Lesung „Nachbarn und andere Gespenster“ mit Almut Tina Schmidt und Thomas Stangl am 12. September sowie das Abschlusskonzert mit Susanna Gartmayer und Yvonne Moriel am 18. September, jeweils um 19 Uhr.

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